In früheren Zeiten war es meist aus finanziellen Gründen nicht möglich, lange Urlaubsreisen zu unternehmen. Man packte „die Badehose ein“, die Fahrräder und ein Zelt und los ging es hinaus in die Natur. Damals war ein Urlaub auf dem Zeltplatz gang und gäbe.
In den Zeiten des Wirtschaftswunders entdeckten die meisten dann ihre Vorliebe für Reisen mit dem Auto, vor allem Italien war damals das erklärte Traumziel und so wälzten sich die ersten Blechlawinen über die Alpen gen Süden. Wer etwas auf sich hielt, fuhr mit dem Auto in die Ferien und das Fahrrad geriet beinahe etwas in Vergessenheit.
Inzwischen hat sich das Bild jedoch wieder deutlich gewandelt. In den Zeiten, in denen der Globus scheinbar immer kleiner wird und Reisen in weit entfernte Länder für immer mehr Menschen erschwinglich werden, rückt andererseits aber auch das Umweltbewusstsein wieder deutlich in den Vordergrund.
Stress und Hektik bestimmen unseren Alltag, man hetzt von Termin zu Termin und alles was man in Punkto Natur zu sehen bekommt, ist hin und wieder ein kurzer Blick auf den Stadtpark, wenn man auf dem Weg zur Arbeit dort vorbeifährt.
So suchen zum einen all die Stressgeplagten, zum anderen auch die Familien mit Kindern in den schönsten Wochen des Jahres nach Bewegung in freier Natur und was liegt da näher als ein Urlaub mit dem Fahrrad?
Dieser wieder neu entdeckte Trendsport begeistert Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen.
Das beginnt bei den gemütlichen Tagestouren mit der ganzen Familie und endet beim mehrwöchigen Jahresurlaub auf einem der in ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern verzweigten Fahrradwegenetze.
Hier kann man sich einzelne Routen heraussuchen, die man in bequemen Tagesetappen bewältigt. Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es an den Radwegen inzwischen sehr zahlreich.
Einer der bekanntesten Radewege ist die North Sea Cycle Route – der Nordseeküstenradweg.
Dieser erstreckt sich auf fast 6000 km und führt durch sechs Staaten entlang der Nordsee.
Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich auf Deutschland beschränkt oder mit der Bahn zum Beispiel die Niederlande, Dänemark, Schweden oder Norwegen ansteuert und sich dort aufmacht, die Schönheiten des Landes mit dem Drahtesel zu erkunden.
Alleine der deutsche Teil des Radweges ist 907 km lang und führt überwiegend durch die Marschgebiete der Nordsee, während der 801 km lange Teil durch Dänemark an der Westküste entlang führt.
Die durch Schweden führende Strecke ist mit ihren 396 km relativ kurz, aber nicht minder reizvoll.
Der norwegische Anteil dieses legendären Radweges umfasst stolze 1130 km und führt zum Teil am Oslofjord, zum Teil an der südnorwegischen Schärenküste entlang. Die unglaubliche Naturlandschaft Norwegens mit dem Fahrrad zu entdecken, ist ein ganz besonderes, ein unvergessliches Erlebnis.
Ausgesprochene Fahrradliebhaber wagen auch den Sprung nach Schottland und England.
Die schottische Route führt zum Teil durch einige der abgelegensten Gegenden des Landes, vorbei an schroffen Felsenküsten und beeindruckenden Wasserfällen. 1242 km durch eine der abwechslungsreichsten und spannendsten Landschaften Europas.
Doch auch der 1057 km lange Abschnitt durch England ist sehr reizvoll und führt durch so zauberhafte Orte wie Ipswich oder Newcastle.
Kehrt man anschließend auf das Festland zurück, kann man – sofern man noch entsprechend fit ist – das 409 km lange Teilstück durch die Niederlande absolvieren.
Ganz Hartgesottene „opfern“ ihren kompletten Jahresurlaub, um diese berühmte North Sea Cycle Route komplett zu bezwingen, aber auch für die vielen „Freizeitradler“ bietet diese Strecke äußerst abwechslungsreiche und spannende Ferien.
Ferien abseits überfüllter Touristenzentren, stattdessen Erholung in einer wunderschönen Naturlandschaft.
Fahrradurlaub – Das ist weit mehr als „nur“ Urlaub, das ist ein Erlebnis.
Bildquelle: © Albrecht E. Arnold / pixelio.de

on Jun 23rd, 2009 at 20:43
Nun bei mir ist es genau anders herum, zu Studienzeiten als Geldknappheit herrschte, unternahm ich Fernreisen und heute, wo man bei der Urlaubsplanung nicht mehr so aufs Geld schaut, sind Rad- oder auch gerne Wasserwanderurlaube sehr hoch im Kurs - gerade in der Heimat. Ich sage nur: Radtouren in MV, ein Gedicht! Aber auch weitere Trips in Skandinavien sind geplant. Unser Canadier muss schließlich nordische Gewässer testen, ehe es auf den Yukon River geht. Fernreisen bleiben also nicht aus;-)