Wohl in jedem Erwachsenen steckt auch heute noch ein bisschen Kind; jenes Kind, das gebannt den Erzählungen geheimnisvoller Geschichten und mystischer Sagen lauschte. Bei manchem sind die Erinnerungen an den Zauber, welche diese Legenden in einem geweckt haben, noch heute lebendig.
Dabei muss es sich nicht nur um Geschichten aus 1001 Nacht handeln. Auch unsere Heimat ist voller spannender Legenden, die sich um die Entstehungsgeschichte so manchen Naturschauspiels ranken.
Warum also nicht einmal „daheim“ den sagenumwobenen Orten nachspüren? Und wer entdeckt dabei nicht wieder ein bisschen das Kind in sich?
Auf den Spuren der Götter wandelt man im Teutoburger Wald in Nordrhein-Westfalen. Hier ragen am Fuße des Eggegebirges 30 m hohe Sandsteinsäulen gen Himmel, die so genannten Externsteine. Früher angeblich eine germanische Kultstätte, gilt der Ort heute als besonderer Kraftort mit spirituellen Eigenschaften. Und so mancher, der über diese geheimnisvollen Steine streicht, vermeint jene besondere Kraft zu spüren.
Auf der schwäbischen Alb, etwa 16 km westlich von Ulm, fasziniert der „Blautopf“ unzählige Besucher. Ein idyllisch gelegener See von einem unglaublichen Blau, der eine einzigartige Ruhe und Gelassenheit verströmt. Hier sei der Legende nach eine Wasserfrau mit langen Haaren in den Blautopf verbannt worden, um das Lachen zu lernen. Unter der Oberfläche des Sees erstreckt sich ein tiefes Höhlensystem, das bis heute noch nicht vollständig erforscht ist und reichlich Raum lässt für weitere Spekulationen und Geschichten.
Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten hoch im Norden Deutschlands sind die Kreidefelsen auf der Insel Rügen, vor allem der „Königsstuhl“ gilt als der mächtigste Felsen.
Sein Name soll ursprünglich darauf zurückgehen, dass derjenige, welcher König von Rügen werden wollte, Mut und Stärke beweisen musste. Wer es also als Erster schaffte, diesen imposanten, aber weichen Kreidefelsen vom Strand aus zu erklimmen, sollte die Krone erhalten. Ein wahrhaft waghalsiges Unterfangen.
Ein absolut beeindruckendes Erlebnis ist ein Besuch der Saalfelder Feengrotten in Thüringen. Dieses ehemalige Bergwerk ist eine Märchenwelt unter Tage, durch welche eine Grottenfee die Gäste führt und dabei so manche Sage und Legende zu erzählen weiß. Höhepunkt ist dabei sicherlich der so genannte Märchendom mit seinem unglaublichen Musik- und Lichtspiel.
Diese geheimnisvolle Welt unter Tage schlägt Groß und Klein gleichermaßen in seinen Bann.
Der bayerische Königssee ist ebenfalls ein äußerst beliebtes Touristenziel. Über diesen erhebt sich das dritthöchste Bergmassiv Deutschlands: Der Watzmann. Nicht minder spektakulär wie der Anblick dieses Felsgiganten ist seine Entstehungsgeschichte: Der einst grausame König Watzmann wurde – von einer alten Frau verflucht – zu Stein und blickt heute auf das Land herab.
Wer im Bayerischen Wald Urlaub macht und dabei den Teufelstisch besucht, sitzt nicht etwa in einem schlecht geführten Gasthof. Auf einem Bergrücken in der Nähe des Ortes Bischofsmais liegt ein seltsam geformter Felsblock, welcher der Esstisch des Teufels gewesen sein soll. Als der Teufel sich dort gerade zum Essen niederlassen wollte und bemerkte, dass in seiner Nachbarschaft ein frommer Mönch hauste, schlug er voller Wut auf den Tisch, der umkippte. Diese Felsplatte steht bis heute schräg auf dem Bergrücken und die Wanderer, die hier vorbeikommen, lauschen gebannt seiner „Entstehungsgeschichte“.
Gleich zwei Legenden ranken sich um den Mummelsee im nördlichen Schwarzwald.
Während die einen steif und fest behaupten, im Mummelsee würde ein alter bärtiger Geist hausen, sind die anderen wiederum felsenfest davon überzeugt, dass bei Vollmond nachts junge Elfen auf dem See tanzen.
Wer dies für absoluten Humbug hält, sollte sich am besten selbst davon überzeugen.
In ganz Europa und darüber hinaus bekannt ist der Loreley-Felsen. Hier bei St. Goarshausen soll hoch über dem Rhein eine Nixe namens Loreley gesessen und mit einem goldenen Kamm ihr Haar gekämmt haben. Dieser Anblick zog die Schiffer dermaßen in ihren Bann, dass sie nicht mehr auf die gefährlichen Strudel achteten und das Schiff mit Mann und Maus sank.
Und so zieht es auch noch heute Unmengen von Touristen an den Rhein und – Hand aufs Herz – wer hält dabei nicht auch Ausschau nach dieser sagenumwobenen Gestalt?
In Mecklenburg-Vorpommern faszinieren die so genannten „Tausendjährigen Nonnen-Eichen“ noch heute die Menschen. In der Nähe des Dorfes Ivenack stehen sechs große Stieleichen, deren Alter zwischen 800 und 1200 Jahre geschätzt wird. Einer alten Sage nach handelt es sich dabei um Nonnen, die zur Strafe für eine schreckliche Sünde in Eichen verwandelt wurden. Erst nach 1000 Jahren soll alle hundert Jahre eine der Eichen absterben und so die Nonne erlöst werden.
Doch ob Sage oder nicht – ein faszinierender Anblick sind diese uralten Giganten mit einem Stammumfang von teilweise bis zu 11 m auf jeden Fall.
Geradezu unheimlich klingt die Geschichte, welche sich um „Die lange Agnes“ rankt, die im Wald zwischen Furth und Eschlkam in der Oberpfalz ihr Unwesen trieb. Hier verläuft neben dem Weg ein Bach, in dem noch heute diese zu Lebzeiten bösartige und habgierige Frau, die sogar am Sonntag die Wäsche wusch, umgehen soll. Und so hört man um Mitternacht das Klopfen ihres Schlagholzes heute noch durch den Wald schallen.
Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht insgeheim erschauert und auf jedes Geräusch lauscht, wenn er nachts dort noch unterwegs ist.
Jahrhunderte alt ist die Geschichte um den Kaltenstein im Hoxberger Wald. Dort in der Nähe von Lebach liegt angeblich unter dem Kaltenstein ein Goldschatz versteckt, bewacht von Zwergen. Beim letzten Glockenschlag am Karfreitag soll sich der Kaltenstein einmal um seine eigene Achse drehen und dabei den Schatz freigeben.
Und so sieht man heute noch so manchen Spaziergänger gedankenverloren vor dem Kaltenstein stehen und wohl überlegen, ob denn nun tatsächlich ein Schatz darunter versteckt sei. Denn wie heißt es so schön: „Ein Körnchen Wahrheit steckt doch meist in jeder Geschichte“.
Sagen und Legenden sind nicht nur etwas für Kinder. Sie beflügeln die Seele und schenken uns eine Auszeit vom oftmals grauen Alltag.
Viele davon sind seit Generationen überliefert, sie wecken unsere Fantasie und schicken unsere Gedanken auf die Reise. Eine Reise, die überaus spannend werden kann.
Bildquelle: © Rainer Klinke / pixelio.de

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